30. Woche – Dorin Popa: @nicebastard

24. – 30. September 2012: @nicebastard

Foto: Dorin Popa

Wer bist du und was machst du?
Oft wird mein Name für ein Pseudonym gehalten, aber ich heiße tatsächlich Dorin Popa. Wenn ich mich mit Dorin im Wiesnzelt vorstelle, hakt die Kommunikation von Anfang an. Als Autorenzeile ist es dagegen eingängig, weshalb ich als Schreiberling vielleicht auch erfolgreicher bin denn als Tischkumpan. Richtig gelernt habe ich den Journalismus nie. Kein Studium, keine Journalistenschule, kein Volontariat, sondern vom Gymnasium an einfach gemacht. Weshalb ich nun schon über dreißig Jahre im Printbereich arbeite. In die digitale Parallelwelt bin ich dagegen erst recht spät, 2007, gerutscht, blogge, twittere, flickre dafür aber um so begeisterter.

Was verbindet dich mit München? Bist du Münchner Kindl oder Zuagroaster?
Wie der seltsame Name schon vermuten läßt, bin ich Ausländer, das Kind politischer Flüchtlinge aus Rumänien, selbst aber hier geboren. Die erste Generation, und damit zwar ein gebürtiger Münchner, mangels Ahnengalerie aber kein echter Münchner. Deutsch habe ich erst auf der Straße gelernt, mein erstes Wort war „Polizei“ und auch sonst hatte ich als Staatenloser ein eher distanziertes Gefühl gegenüber dieser sogenannten Heimat, bis ich 1982 das erste Mal nach Berlin zog und erst in der preußisch-protestantischen Diaspora meine Münchner Identität erkannte. 2000 kehrte ich hierher zurück. Nicht zuletzt weil Berlin eine – im negativen Sinne – Münchenisierung durchgemacht hatte, nur ohne den bayrisch-barocken Charme. Und München eine – im positiven Sinne – Berlinisierung erlebte.

Foto: Dorin Popa

Welchen Stadtteil magst du am Liebsten und warum?
Das „gefühlte Schwabing“ – jenes Karré, das im Grunde zur Maxvorstadt zählt, von den meisten, sogar der „Süddeutschen Zeitung“ irrtümlich für Schwabing gehalten wird, im Parkraumbewirtschaftungsamtsdeutsch Akademieviertel heißt, und von mir Universität genannt wird. Hier ist München Großstadt. Laut, lebhaft, von Studenten geprägt, aber nichtsdestotrotz von jung und alt, Münchnern und Zuagroasten bewohnt, mit einer weitgehend intakten Infrastruktur. Es ist fast wie im Dorf, jeder kennt jeden, und manchmal kam ich wochenlang nicht aus dem Univiertel heraus.

Foto: Dorin Popa

Was sind deine ultimativen München-Tipps?
Die erste Regel des Reporter-Club lautet, daß man nie seine Geheimtipps verrät! Schließlich will man sie weiter selbst auskosten und nicht Fremden überlassen. Zwei methodische Ansätze kann ich aber teilen. Ich versuche, nie denselben Weg zu nehmen, sondern stattdessen jedesmal eine Variation auszuprobieren. Eine Parallelstraße nehmen, eine andere Route, um immer einen möglichst breiten Radius abzudecken. So entdecke ich bereits im Alltag ständig neues.
Die große Kunst besteht aber darin, sich hier in München wie ein Tourist zu benehmen. Heimat ist, wo man nicht ins Museum geht. Nur warum lieben wir es, zu verreisen? Weil man sich da treiben läßt, Neues entdeckt, mit offenem Blick unterwegs ist. Das funktioniert auch daheim. Mal nicht ins Stammcafé gehen, im Lieblingskiez abhängen, immer dieselben Leute treffen, sondern einen neuen Stadtteil ausprobieren, morgens aufbrechen, aufs Geradewohl herumflanieren und sich treiben lassen.

Welcher Twitterer sollte deiner Meinung nach unbedingt bei Munich Loves U mitmachen und warum?
Natürlich @katikuersch, denn was Uschi Obermaier für das Schwabing der sechziger Jahre darstellte, verkörpert Katarina für die Twitter-Generation – nur mit mehr Köpfchen.

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